Gran Turismo PSP Test / Review

von Oliver. News vom 4. Oktober 2009 in PSP Game Reviews
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Nach jahrelanger Entwicklung hat es Polyphony Digital doch noch geschafft, Gran Turismo PSP zu veröffentlichten. Ob Simulations-Fans auf ihre Kosten kommen, verrät unser Test.
Nach jahrelanger Entwicklung hat es Polyphony Digital doch noch geschafft, Gran Turismo PSP zu veröffentlichten. Ob Simulations-Fans auf ihre Kosten kommen, verrät unser Test.

5 Jahre ist es her, dass Polyphony Digital Gran Turismo für die PSP ankündigte. 5 Jahre des Wartens, in denen zeitweise nicht klar war, ob die Arbeit am Spiel nicht schon längst eingestellt wurde. Jetzt haben die Mannen um das GT-Superhirn Kazunori Yamauchi aber endlich, wenn auch mit einer leichten Verspätung, das abgeliefert, was sie uns seit so langer Zeit versprochen haben. Es ist irgendwie ein unwirkliches Gefühl die Test-UMD in den Händen zu halten, zumal wir schon dachten, dass Gran Turismo 5 noch vor dem PSP-Ableger erscheinen wird. Gran Turismo PSP erschien als Launchtitel der PSPgo und soll dem neuen Handheld einen Verkaufsschub geben - den er wegen seines hohen Einstiegspreises auch gut gebrauchen kann.

5 Jahre sind eine wahnsinnig lange Zeit, was sich auch in der unglaublich großen Fahrzeugauswahl des Hosentaschen-Racers bemerkbar macht. Polyphony hat ganze 800 Fahrzeuge aus allen möglichen Klassen ins Spiel gepackt. Nahezu jeder Hersteller ist mit mindestens einem Wagen im Spiel vertreten. Von deutschen Fahrzeugen über amerikanische Muscle-Cars bis hin zu asiatischen Boliden fährt Polyphony wirklich alles auf, was vier Räder und ein Lenkrad hat, und das in beeindruckender Qualität. Hier hat sich die lange Entwicklungszeit jedenfalls voll ausgezahlt. Allerdings könnte man hier sagen Außen hui, innen pfui! Im Cockpit tut sich nämlich rein gar nichts. Während die Fahrzeuge von außen eine echte Glanzleistung sind, grenzt die Gestaltung des Cockpits schon fast an Arbeitsverweigerung. Hier hätten sich die Entwickler lieber auf weniger Fahrzeuge konzentrieren, dafür aber ein rundum gutes Design abliefern sollen.

Gran Turismo PSP

Die über 800 Fahrzeuge lassen sich über rund 40 Rennstrecken jagen. Erfahrene Gran Turismo-Fans werden jedoch schnell bemerken, dass es sich dabei keineswegs um neue, sondern um altbekannte Pisten handelt. Lediglich ein neuer Rennkurs in Valencia hat es ins Spiel geschafft. Ein bisschen wenig für 5 Jahre Entwicklung. Hat man sich sein Gefährt für die ersten Runden auf dem Rennkurs ausgesucht, folgt die nächste Ernüchterung: Man fährt lediglich gegen drei Gegner, die auch noch alles andere als aggressiv zu Werke gehen und schnell zurückstecken, wenn man sich einen kleinen Vorsprung erarbeitet hat. Das liegt nicht zuletzt am bekannten Gummiband-Effekt, mit dem man sich selbst auf dem letzten Platz liegend noch große Hoffnungen auf den Sieg machen kann. Gleichzeitig wird man die Gegner auch nur schlecht los, da sie wie in einer Perlenkette aufgereiht hinter einem die Ideallinie entlang pilgern. Dass GT-typisch auf ein Schadensmodell verzichtet wurde, lässt sich ja noch verschmerzen, aber wenn man schon die realistischste Simulation am Markt sein möchte, dann muss man auch eine bombige KI im Gepäck haben. Auch hier wieder der Hinweis: 5 Jahre sind eine lange Zeit, da sollte man so etwas realisieren können.

Abseits der Strecken offenbart sich schnell der Grund, warum Gran Turismo PSP auf atemberaubenden 60 Frames pro Sekunde über den PSP-Screen flitzen kann. Die Streckendetails wurden knüppelhart gedrosselt, um die Rennboliden glänzen zu lassen. Von jubelnden Massen, die dem Führenden mit überdimensionalen Flaggen zuwinken, ist weit und breit keine Spur. Einzig die Stadtkurse vermitteln dem Spieler so etwas wie Lebendigkeit. Soundtechnisch kann Gran Turismo PSP nur teilweise überzeugen. Die Motorensounds klingen über weite Strecken gut, aber etwas zu leise, wodurch es zum Teil sehr schwer fällt, die einzelnen Hersteller anhand ihrer markanten Motorengeräusche zu unterscheiden. Der enthaltene Soundtrack reißt zwar nicht den Karren aus dem Dreck, dafür hat man aber nach einigen gemeisterten Herausforderungen die Möglichkeit, während der Fahrt einfach eigene Songs hören zu können.

Gran Turismo PSP

Als Spielmodi bietet Gran Turismo die obligatorischen Zeitrennen, Einzelrennen, Herausforderungen und Driftrennen. Wo der Karriere-Modus abgeblieben ist, wissen wohl nur die Entwickler selbst. Vielleicht ist er auf dem Weg der Master-UMD ins Presswerk einfach verschwunden. Der Karriere-Modus ist eigentlich unverzichtbar, daher ist es absolut unverständlich, warum es Polyphony Digital in 5 Jahren (in Worten: Fünf!) nicht geschafft hat, einen solchen für den Real Driving Simulator zusammen zu bringen. Zwar können die anderen Modi, wie zum Beispiel die Herausforderungen, in denen man unter anderem eine bestimmte Anzahl an Gegnern überholen oder Kurven meistern muss, den Spielspaß für eine gewisse Zeit aufrecht erhalten, die Motivation eines Karriere- Modus ersetzen sie jedoch keineswegs. Auch die ausbleibende Belohnung für das erfolgreiche Abschließen der Herausforderungen frustriert schnell. Ebenso schreit Gran Turismo geradezu nach einem Online-Modus oder zumindet Highscore-Listen für die Zeit- und Driftrennen. Leider wurde auch das nicht umgesetzt. Stattdessen gibt es einen Ad-Hoc-Modus, mit dem man mit Freunden seine Runden um die Kurse drehen kann. Wer allerdings keine Freunde mit GT PSP in der Nähe hat, muss einsam gegen die eigenen Bestzeiten kämpfen. Die KI wird dabei zumindest nicht im Wege stehen.

Das nächste Problem offenbart sich beim Kauf neuer Vehikel. Hat man genügend Geld gespart, um sich beispielsweise endlich den ersehnten Mercedes oder Ferrari kaufen zu können, wird das unter Umständen vielleicht gar nicht möglich sein. An jedem Renntag sind nämlich nur vier Läden unterschiedlicher Hersteller geöffnet. So ist es durchaus möglich, dass man zig Renntage abwarten muss, bis der gewünschte Hersteller mal geöffnet hat. Das mühsame Einkaufen von Fahrzeugen könnte sich aber im kommenden Jahr auszahlen. Dann wird man nämlich seine Garage in Gran Turismo 5 (PS3) übertragen können.

Gran Turismo PSP

Die Steuerung wurde gut von der Konsole auf die PSP umgesetzt. Gesteuert wird entweder per D-Pad oder mit dem Analog-Stick. Die Wahl der Steuerung ist durchaus Geschmackssache, allerdings wirkt die analoge Steuerung schon sehr schwammig, wodurch man es schwer hat, auf langen Geraden auch wirklich geradeaus zu fahren und nicht der Wiese einen kurzen Besuch abzustatten. Insgesamt wirkt sie aber stimmig. Gleiches gilt für das Handling der Fahrzeuge. Hier hat man seine Stärke ausgespielt und das Gran Turismo-Feeling auf die PSP transportiert.

7
Fazit: Das Spiel der unerfüllten Erwartungen

Selten fiel mir eine Bewertung so schwer wie im Fall von Gran Turismo PSP. Die Erwartungen an den Titel waren einfach so wahnsinnig hoch, dass sie gar nicht erfüllt werden konnten. Gran Turismo gehört ohne Frage zu den bestaussehendsten Racern für Sonys Handheld. Mit 800 Fahrzeugen und 40 Strecken gehört es auch unbestritten zu den umfangreichsten Spielen. Leider ist Masse aber nicht gleich Klasse. Während Steuerung, Handling und die Fahrzeugmodelle überzeugen können, fehlt es an elementaren Bestandteilen wie einem Karriere-Modus oder Online-Features. Auch die Entscheidung, vorrangig auf eine flüssige, hochpolierte Fahrzeug-Grafik zu setzen und deshalb gerade mal vier Fahrzeuge auf die Rennstrecke schicken zu können, rächt sich. Selbst das wäre aber kein Problem, wenn die KI wenigstens entsprechend fordernd wäre.

Ja, Gran Turismo macht Spaß und sieht gut aus, allerdings wird das Sammeln von Fahrzeugen mit der Zeit langweilig. Ein Lichtblick sind die Herausforderungen, die gut präsentiert werden und für eine Zeit lang Spaß machen - leider aber ohne Belohnung. Dem Spiel fehlt insgesamt der rote Faden, den es durch den schon angesprochenen, fehlenden Karriere-Modus erhalten hätte. Für Arcade-Fans ist GT PSP sicher eine Kaufempfehlung. Echte GT-Anhänger dürften besser beraten sein, auf GT5 für die PS3 zu warten. Eigentlich hätte ich eine 6,6 bis 6,8 gegeben. Da wir aber nur volle Punktzahlen auf PSPBlogger vergeben, wird zugunsten des Spiels aufgerundet.

Informationen zum Spiel

  • Gran Turismo Mobile Titel: Gran Turismo Mobile
    Genre: Rennsimulation
    Publisher: SCE
    Developer: Polyphony Digital
    Release (US): 01.10.2009
    Release (EU): 01.10.2009
    Release (JP): 01.10.2009
    Spiel kaufen: Amazon | Trade-a-Game

Artikelinfos

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7 Kommentare

  1. CreatorX schrieb am 4.Oktober 2009:

    Danke für den Test! Tja, 800 Fahrzeuge sind eben nicht alles. Wenn ich lese, was vom ursprünglichen Spiel noch übrig geblieben ist, bin ich überzeugt, dass das kein Kaufgrund ist. Ich würde sagen, das Ding haben sie knallhart an die Wand gefahren, das wird doch nur von denen gekauft, die keine Ahnung davon haben was sie erwartet (zumal in der Werbung wirklich nur die 800 Fahrzeuge erwähnt werden, jetzt weiß ich warum), oder von Fanboys denen nur wichtig ist, dass da Grand Turismo drauf steht. Es ist mir ein Rätsel, warum sie soviel Abstriche gemacht haben, gerade auch in Sachen Gegnerzahl, die ja ohnehin schon nicht groß war. Auf der PS2 (mit gleichwertiger Hardware) ging es doch auch. Naja sei es drum, es gibt ja noch andere gute Spiele die ich mir mal kaufen muss.

  2. Oberschenkelmuskel schrieb am 5.Oktober 2009:

    tja da hat sich sony wieder mal was vesaut ,wer auf simulationsartige rennspiele steht sollte unbedingt einen blick auf dtm race driver 2 für die psp werfen ,es hat sehr viel strecken,gute grafik, einen online modus bis zu 12 spieler ,es können gleichzeitig 22 ki gesteuerte rennfahrer auf der strecke fahren und alles bleibt recht flüssig.

  3. ArcaneDraconum schrieb am 5.Oktober 2009:

    Ja das ist wirklich Schade - und mich ärgert es etwas, daß ausgerechnet GT zur GO! gelegt wird. Da wäre mir doch MotorStorm: Artic Edge lieber gewesen. Das kommt mir auf jeden Fall ins Haus, das GT hätte ich mir gespart. Aber mal sehen wie oft und lange ich damit spielen werde.

  4. Discostu schrieb am 15.Oktober 2009:

    Ich hab es mir sofort als UMD Version gekauft und bin nicht ganz so enttäuscht über den fehlenden Karrieremodus. Mir gefällt die Arcade (Pokemon -> Autos sammeln) Struktur. So kann man unterwegs auch schnell zwischendurch ein paar Rennen fahren. Ich kann die Enttäuschung anderer aber schon verstehen, denn meine Motivation die UMD zu starten liegt ausschließlich darin, das ich versuche auf allen Strecken von “D” zum “Super” Ranking zu kommen. Die zeitlichen Zwänge von Sony sind wohl der Grund für diese Entscheidung. Zum Start der PSP Go musste GT rauskommen, aber den wahren Grund kennen wohl nur die Entwickler von Polyphony Digital. Ach diese ganze PSP GO, PSP 3000, UMD oder Digitaler Download Geschichte seltsam. Sony hat das mit dem Marketing schon einmal besser hinbekommen (zu PS1 Zeiten). Ich würde auf jeden Fall zur 3000 greifen sollte meine alte 2000er ins Technik-Nirvana aufrauchen.

  5. Sergej schrieb am 2.Dezember 2009:

    naja, vllt wird das SPiel per Update verbessert. Man kann ja auf der PSP spiele aktualisieren usw. Mal sehen.

  6. Sergej schrieb am 2.Dezember 2009:

    Ach ja. Was den Download und UMD angeht: ich habe die 3000 und lade immer Spiele aus dem Store. Vorteil: Ladezeit und man braucht nicht mehr das/den Medium zu wechseln. Manche Leute mögen halt UMD, entweder weil man weiß dass UMD nicht so störanfällig wie Speicherstick ist, oder weil man kein Internet hat. Und Sony will ja Kohle machen, deswegen bittet die beide Möglichkeiten an.

  7. der kry schrieb am 9.März 2010:

    Alleine mach GT gar kein Spass! Wenn man aber erst einmal 2-3 Freunde mobilisiert hat, um im AdHoc zu zocken, kommt große Freude auf. Nur zeigt sich das ein Autorennen ohne Schadensmodell leider immer dazu verleitet sich in der Haarnadelkurve, nach der langen Geraden, doch einfach gegen ballern zu lassen – denn wer bremst verliert! Wann kommt endlich der Realismus in den “Real Driving Simulator”? der kry

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